Sie ist in aller Munde: Die 455 Hektar große Windvorrangfläche 2-304 auf dem Bad Orber Horst. Um sich vor Ort ein Bild zu machen und die Debatte um den geplanten Bau von Windenergieanlagen zu versachlichen, hat der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen Bad Orb gemeinsam mit Mitgliedern aus dem Jossgrund und Biebergemünd eine Ortsbesichtigung unternommen.
Auf der Vorrangfläche könnten nach aktuellem Stand bis zu acht Windräder der 7-Mega- watt-Klasse entstehen. Diese könnten jährlich ca. 120 Gigawattstunden Strom erzeugen – genug, um rechnerisch über 34.000 Menschen mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Die Planung konzentriert sich auf die windstarken Hochlagen; ökologisch sensible Berei- che bleiben ausgespart. Zum Vergleich; Die 4.9 Hektar große Freiflächenphotovoltaikan- lage an der Eisernen Hand kann wohl bis zu 5,6 Gigawattstunden Strom jährlich erzeugen.
Begleitet wurde die Begehung von Kaya Kinkel, Landtagsabgeordnete und energiepoliti- sche Sprecherin der Grünen Hessen, Holger Marquart vom Energiestammtisch Freigericht sowie Peter Ringelstein, Naturparkführer und grüner Stadtverordneter. Sie gaben Einbli- cke in technische, wirtschaftliche und ökologische Aspekte der Windkraftnutzung.
Fakt ist: Landesweite Zielvorgaben verlangen zusätzliche Flächen.
Hessen hat sich verpflichtet, 2 Prozent der Landesfläche für Windkraft bereitzustellen. Der Bund sieht zukünftig sogar 2,2% vor.
Für Bad Orb bietet das Projekt klare wirtschaftliche Vorteile: Durch die Beteiligung nach § 6 EEG wären jährlich ca. 100.000 Euro an direkten Einnahmen für die Stadt möglich – zusätzlich zu Gewerbesteuereinnahmen und Erlösen durch kommunale Beteiligungen und Bürgerbeteiligungsmodellen an der Betreibergesellschaft. „Die Energiewende gelingt nur, wenn auch Orte wie Bad Orb Verantwortung übernehmen und die Chancen nutzen, die sich daraus ergeben,“ erklärt Beate Boege-Sonnek, grüne Spitzenkandidatin zur Kommunalwahl. Die größte Gefährdung des Waldes gehe nicht von Windrädern, sondern vom Klimawandel aus.
Die Grünen Bad Orb sprechen sich klar für eine faktenbasierte und transparente Debatte aus. Die Exkursion habe gezeigt: Wer das Gelände kennt und die Daten einordnet, kann sachlich bewerten – jenseits von Schlagworten und emotionalisierten Argumenten.
