Die uns übermittelten Wahlprüfsteine zum Bürgerentscheid am 15. März 2026 sind aus unserer Sicht überwiegend suggestiv formuliert und auf eine pauschale Ablehnung der Windenergie ausgerichtet. Wir haben uns daher entschieden, die Fragen nicht einzeln mit Ja- oder Nein-Antworten zu versehen, sondern unsere Haltung zusammenhängend darzustellen.
Als Ortsverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bad Orb stehen wir grundsätzlich zum Ausbau erneuerbarer Energien. Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der auch Kommunen ihren Beitrag leisten müssen. Sich dieser Verantwortung vollständig zu entziehen, halten wir weder für realistisch noch für zukunftsfähig.
Die Windvorrangfläche 2-304 betrifft nicht nur Bad Orb, sondern in erheblichem Umfang auch Jossgrund und Biebergemünd. Es handelt sich somit nicht um ein rein „Orber“ Projekt. Wenn Nachbarkommunen Windenergie ermöglichen wollen, halten wir es für problematisch, dass Bad Orb einen konsequenten Sonderweg der Verhinderung einschlägt.
Windparks werden nicht willkürlich errichtet, sondern auf Grundlage umfangreicher fachlicher Prüfungen zu Windhöffigkeit, Natur- und Artenschutz sowie Raumordnung geplant. Auch der betroffene Wald ist kein unberührtes Naturgebiet, sondern ein bewirtschafteter Wirtschaftswald, aus dem die Stadt erhebliche Einnahmen erzielt. Bestehende Wirtschaftswege sind vorhanden, Ausgleichsmaßnahmen sind gesetzlich vorgeschrieben und ein klimaresilienter Mischwald ist langfristig ohnehin erforderlich.
Das Projekt eines Kur- und Heilwaldes begrüßen wir ausdrücklich. Wir sind überzeugt, dass ein qualitativ hochwertiges Gesundheits- und Naturangebot und der verantwortungsvolle Ausbau erneuerbarer Energien nebeneinander bestehen können. Für uns schließen sich beide Ziele nicht aus.
Wir respektieren unterschiedliche Auffassungen in der Bürgerschaft. Einen generellen politischen Kurs der Verhinderung, verbunden mit der Forderung, alle Mittel gegen die Windvorrangfläche einzusetzen, können wir jedoch nicht mittragen. Verantwortung bedeutet für uns, ökologische Notwendigkeiten, wirtschaftliche Realitäten und interkommunale Zusammenarbeit ausgewogen zu berücksichtigen.
Im Namen des Ortsvorstandes
Beate Boege-Sonnek, Roland Kraft, Richard Roth, Jürgen Engel und Philip Schinkel
Die Wahlprüfsteine im Wortlaut:
Unterstützen Sie den Bürgerentscheid am 15. März 2026, der sich gegen die Windkraftanlagen auf dem Horstberg richtet und sich für die Weiterentwicklung des Gesundheitsstandorts Bad Orb inklusive eines Kur- und Heilwaldes stark macht?
Unterstützen Sie den Bürgerentscheid am 15. März 2006 und die Aufforderung an die Bad Orber Politik, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um in der künftigen Regionalplanung die Windvorrangfläche am Horstberg zu beseitigen?
Werden Sie Ihren Wählerinnen und Wählern empfehlen, beim Bürgerentscheid am 15. März bei beiden Fragen mit „Ja“ zu stimmen?
Unterstützen Sie die Pläne von Hessen.Forst und Ørsted, ohne Rücksicht auf die Belange Bad Orbs den geplanten Windpark zu errichten?
Welche Ideen und Vorschläge vertreten Sie, um das Konzept eines Kur- und Heilwaldes für Bad Orb zu realisieren und dabei auf den Bau von Windkraftanlagen zu verzichten?
